Wissenswertes über Meerschweinchen !!!

(Quelle: Wikipedia), überarbeitet von G. Knorr

Geschichte

Hausmeerschweinchen sind die Haustierform des Tschudi-Meerschweinchens (Cavia tschudii).

Wann genau Meerschweinchen domestiziert wurden, ist nicht bekannt. Je nach Autor wird der Domestikationszeitpunkt zwischen 5000 v. Chr und 2000 v. Chr. vermutet. Eine genaue Festlegung ist noch nicht möglich. Einig ist man sich nur, dass Meerschweinchen zuerst in der Altiplano-Region gehalten wurden. In dieser Gegend findet man auch heute noch Tschudi-Meerschweinchen.

Die ältesten Funde sind aus dem nördlichen Zentralhochland Perus. (900 v. Chr.)  Weitere Funde stammen aus der Küstenebene Ecuadors (um 500 v. Chr) Zu dieser Zeit waren die Hausmeerschweinchen wahrscheinlich schon voll domestiziert und hatten alle Merkmale heutiger Hausmeerschweinchen.

Im 16. Jhr. wurden Hausmeerschweinchen nach Europa und Nordamerika exportiert, von denen alle dortigen Meerschweinchen abstammen. Jedoch existieren weiterhin unabhängige, ältere Linien in Südamerika, die dort von den Einheimischen gehalten werden. Sie sind im Durchschnitt kleiner und scheuer als die in Europa und Nordamerika bekannten Meerschweinchen und werden zu Speisezwecken und rituellen Zwecken gehalten.

In Europa wurden Meerschweinchen bis 1920 auch zu Speisezwecken gehalten. Als Labortier wurde es im 18. Jahrhundert entdeckt.In neuerer Zeit wurden in Südamerika aus besonders großen Meerschweinchen die in Deutschland als Cuys bekannten Riesenmeerschweinchen gezüchtet, die dort zur Fleischproduktion gehalten werden. Diese Meerschweinchen erreichen Gewichte zwischen zwei bis vier Kilogramm. Die Fleischprodukte werden inzwischen auch nach Nordamerika verkauft, aber es soll auch in Europa ein Markt für Meerschweinchenfleisch aufgebaut werden. Ob dies Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Als Liebhabertiere sind Riesenmeerschweinchenformen inzwischen weltweit verbreitet, eignen sich aber aufgrund ihrer Scheuheit und Haltungsbesonderheiten nicht für viele Menschen und sind daher noch sehr selten.

Cuy ist für die Riesenmeerschweinchen ein sehr unglücklich gewählter Begriff, da er in Südamerika die Bezeichnung für Meerschweinchen generell ist. Das hat in der Vergangenheit immer wieder zur Verwirrung geführt

Meerschweinchen sind in weiten Teilen Südamerikas, hauptsächlich in Peru verbreitet, wo sie unterschiedlichste Geländeformen bewohnen, von flachen Grasländern bis in Gebirgsregionen von über 4000 Metern Seehöhe. Im dichten Regenwald fehlen sie allerdings. .

Meerschweinchen sind in der Regel tagaktiv und halten, trotz widriger klimatischer Verhältnisse in den höheren Regionen ihres Verbreitungsgebietes, keinen Winterschlaf. Selbstgegrabene oder von anderen Tieren übernommene Baue dienen ihnen als Unterschlupf. Es sind in der Regel soziale Tiere, die in Paaren ( das Münstersche Meerschweinchen) oder Gruppen mit einem Männchen, einigen Weibchen und den Jungtieren zusammenleben. Einige Arten haben komplexe Sozialstrukturen entwickelt.

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser, die je nach Art und Lebensraum unterschiedlichste Pflanzenteile zu sich nehmen, zum Beispiel Früchte, Gräser oder Samen.damit der Schlachtkörper appetitlicher aussieht. Dunkle, insbesondere schwarze Tiere werden zu vielen rituellen Zwecken gebraucht.

Opfertiere Noch heute werden Meerschweinchen in Südamerika zu besonderen Anlässen geopfert. So gibt es z. B. Opferungen als Bitte um reichhaltige Ernte, Opferungen, um kranke Menschen zu heilen oder aber Opferungen zu bestimmten Festtagen.

Organe: Aufgrund der energiereicheren und saftigeren Ernährung der Hausmeerschweinchen hat sich auch der Verdauungstrakt mit der Zeit angepasst. Der Magen ist größer, so dass Hausmeerschweinchen auch mit größeren Mahlzeiten auf einmal klar kommen. Der Dünndarm ist länger, um eine längere Strecke zum Entwässern des Nahrungsbreies zu haben. Auch Blind- und Dickdarm sind größer, wahrscheinlich eine Folge der zum Teil erheblich von der Grasnahrung des Tschudi abweichenden Futters, mit welchem die Tiere seit Jahrtausenden klarkommen müssen. Trotz der starken Veränderungen im Verdauungstrakt kommen Hausmeerschweinchen auch heute noch mit der ursprünglichen Grasnahrung der Tschudi-Meerschweinchen zurecht. 

Domestikationsbedingte Veränderungen im Körperbau

Der Kopf läuft nicht so spitz zur Schnauze zu wie beim Tschudi-Meerschweinchen. Das Hirngewicht ist im Verhältnis zum Körpergewicht kleiner als bei der Wildform. Der Ohrenansatz ist bei den meisten Hausmeerschweinchen tiefer. Die Ohrmuscheln sind größer. Hängeohren kommen häufig vor. Die Augenfarbe kann abhängig von der Haarfarbe dunkel wie bei der Wildform sein, aber kann auch rotbraune, rötliche oder blaue Farbtöne aufweisen.

Der Körperbau ist gedrungener und rundlicher und nicht so schmal wie beim Tschudi. 

Die Hinterbeine sind kürzer als bei der Wildform. Polydaktylie (Vielzehigkeit) tritt bei südamerikanischen Linien oft auf, da Meerschweinchen mit zuviel Zehen als besonders zart und schmackhaft gelten. Insbesondere bei den Mastmeerschweinchen können an den Vorderpfoten bis zu acht Krallen statt vier gezählt werden, bei den Hinterpfoten kommen ab und an bis zu sechs Krallen vor. In Europa und Nordamerika wird darauf geachtet, nur mit normalzehigen Meerschweinchen zu züchten. Polydaktylie gilt als Erbfehler. Nur bei den Riesenmeerschweinchen (in Deutschland Cuy genannt) treten auch in Europa und Nordamerika immer noch relativ häufig mehrzehige Meerschweinchen auf, da diese erst vor wenigen Jahrzehnten aus Südamerika importiert wurden und noch nicht lange gezüchtet werden. 

Behaarung: Im Laufe der Domestikation haben sich bei den Meerschweinchen eine Vielzahl von Farben und Fellvarietäten gebildet. In Südamerika werden helle Fellfarben mit weißer Haut bevorzugt

Größe: Viele südamerikanische alte Linien, die dort seit Generationen innerhalb der Familien zur Eigenversorgung gezüchtet werden, haben noch die ursprüngliche Größe von 500g - 600g und etwa gleiche Geburtsgewichte des Tschudi-Meerschweinchens. Die europäischen und nordamerikanischen Linien dagegen sind mit 700g - 1500g deutlich größer, da sie von größeren Mastmeerschweinchen abstammen. Die größten Tiere sind die zu Intensivmast gezüchteten Tiere, von denen die nordamerikanischen und europäischen Cuys abstammen. Sie können im Extremfall ein Gewicht bis 4kg erreichen.

Verhalten 

Die Hauptaktivität liegt wie bei der Wildform in der Dämmerung, jedoch passen sich Hausmeerschweinchen sehr schnell an Fütterungs- und Aktivitätszeiten ihrer Halter an. So entsteht der Eindruck eines tagaktiven Tieres.

Das Fluchtverhalten hat sich trotz der langen Domestikationszeit voll erhalten, jedoch flüchten Hausmeerschweinchen unkoordinierter als die Wildform. Während Tschudi-Meerschweinchen auf der Flucht über Hindernisse bis 60cm Höhe springen, tun das Hausmeerschweinchen nicht mehr, sondern nutzen bevorzugt Versteckmöglichkeiten.

Normalerweise wäre zu erwarten, dass im Laufe der Domestikation auch das Fluchtverhalten abnimmt. Dass dem nicht so ist, liegt wahrscheinlich daran, dass bevorzugt leicht einzufangende Meerschweinchen zum Kochen ausgesucht wurden, weil die peruanische Bevölkerung nicht bereit ist, hinter flüchtenden Meerschweinchen herzukriechen. Die mangelnde Bereitschaft zu Springen ist dagegen ein Domestikationsmerkmal, welches bei vielen Haustierarten, wie z. B. der Farbmaus, zu beobachten ist. Tiere, die gut springen und flüchten können, entweichen schneller schon als junge Tiere und stehen deshalb der Zucht nicht mehr zur Verfügung. Dies gilt umso mehr, da Hausmeerschweinchen traditionell nur durch ein niedriges Brett oder ein niedriges Mäuerchen am Ausbrechen gehindert werden.

Tschudi-Meerschweinchen-Böcke verteidigen manchmal ihre Gruppe gegen Raubfeinde, um den Weibchen und Jungen die Flucht zu ermöglichen. Ist die Gruppe weit genug geflohen, drehen die Böcke um und fliehen ihrerseits. Dieses Verhalten hat sich bis heute bei den Hausmeerschweinchen erhalten. Es kann jedoch nur unter naturnaher Draußenhaltung beobachtet werden.

Zum Verhalten von Meerschweinchen gehört entspanntes Dösen, bei der die Meerschweinchen mit dem Kopf auf dem Boden und mit lang ausgestreckten Körper herumliegen. Die Hinterbeine können dabei entweder zu einer Seite zeigen oder aber seltener zu beiden Seiten zeigen. Die Vorderfüße liegen entweder unter dem Kopf oder frei zur Seite gestreckt. Auch seitliches Liegen kommt vor.

Haben die Meerschweinchen die Möglichkeit zum Sonnen, sieht man sie oft auch entspannt in der Sonne dösen, solange es nicht zu warm dafür ist.

Schlafen und Dösen wird sehr oft mit Strecken des Körpers und der Vorderbeine und Gähnen beendet. Erschreckte Meerschweinchen springen sofort auf, ohne sich zu strecken und zu gähnen. 

Kratzen und Knabbern ist meist häufiger zu beobachten als Putzen. Beides kann auch als Verlegenheitsgeste auftreten.

Die Nase wird mit den Vorderpfoten geputzt. Entweder wird die Nase mit beiden Vorderpfoten gleichzeitig geputzt, wobei sich die Pfoten parallel bewegen, oder es wird nur eine Pfote benutzt. Ein Kratzen der Nase mit einer Hinterpfote ist möglich,die Vorderpfoten stehen dabei fest auf dem Boden.

Spielverhalten ist bei Meerschweinchen nicht so ausgeprägt wie bei anderen Säugetieren. Man sieht junge Meerschweinchen oft Luftsprünge machen, bei der sie wie Pferde mit den Hinterbeinen ausschlagen oder mit rundem Rücken und allen vier Beinen gleichzeitig in die Höhe springen. Je nach Konstitution und Alter der Meerschweinchen können diese Luftsprünge von 5cm bis 25cm Höhe erreichen. Unter allgemein üblichen Haltungsbedingungen erhalten sich diese Luftsprünge bis ins hohe Alter und gelten bei den Haltern als ein Zeichen von Wohlbefinden. Die gesamte Gruppe kann durch ein einzelnes hüpfendes Tier seinerseits zum Hüpfen veranlaßt werden, was eine gewisse Ähnlichkeit mit Popcorn hat. So wurde von Meerschweinchenhaltern der Begriff "popcornen" für diese Luftsprünge geprägt. In sehr großen Außenhaltungsgehegen kommen solche Luftsprünge bei ausgewachsenen Meerschweinchen kaum vor.

Futtersuche und -aufnahme Normalerweise haben Meerschweinchen ihre festen Futterstellen im Stall und Käfig, zu denen sie nicht weit zu laufen brauchen. Sie laufen also nur aus ihren Hütten, fressen und ziehen sich wieder zurück. Liegt das bevorzugte Futter auf einem zu kleinen Platz, fangen die Meerschweinchen innerhalb der Gruppe an zu streiten, sie versuchen durch Tritte nach hinten und zur Seite sich Platz zu verschaffen und sie schnappen nach ihren Freßnachbarn. Die ranghohen Tiere setzen sich hierbei meist durch und kommen so an das meiste Futter. Rangniedere Tiere trauen sich meist nicht ans Futter, solange die ranghohen Tiere fressen und warten, bis diese fertig sind. Manchmal tragen die Tiere auch ihr Futter in entferntere Ecken des Geheges um dort in Ruhe zu fressen. Hierbei kommt es nicht selten vor, daß sich die Tiere die besten Happen gegenseitig klauen.

Wird das Futter weiträumig verteilt, verteilen sich die Meerschweinchen, so daß Streitereien weit weniger häufig vorkommen.

Nur in sehr großen, naturnah gestalteten Außengehegen können alle Verhaltensweisen zur Futtersuche beobachtet werden, die noch von der Wildform erhalten geblieben sind. So legen auch Hausmeerschweinchen regelrechte Trampelpfade zu ihren bevorzugten Futterplätzen an. Steht ihnen eine größere Wildwiese zur Verfügung, ist diese schon nach einigen Tagen durchzogen von solchen Trampelpfaden, die meist in buschige Zonen führen.

Innerhalb von Dickichten werden regelrecht Gänge gefressen und getrampelt, die genau dem Körperumfang der Meerschweinchen entsprechen. Die Futterstellen werden bevorzugt über solche nach oben hin geschlossene Gänge aufgesucht, auch, wenn das einen großen Umweg bedeutet. Nur selten entfernen sich die Meerschweinchen weit von den Eingängen solcher Dickichtgänge.

Sind schon Weidetiere gleich welcher Art auf einer Wiese, kommen Hausmeerschweinchen schneller aus ihren Deckungen, als wenn keine Weidetiere auf der Wiese sind. Die Weidetierart ist egal, es können Schafe, Rinder, Pferde, Degus, Kaninchen oder andere Arten sein. Meerschweinchen lernen sehr schnell, Nicht-Weidetiere wie Krähen, Katzen und Singvögel von Weidetieren zu unterscheiden. Auch lernen sie sehr schnell, auf Warnsignale anderer Arten zu reagieren - selbst das Warnklopfen von Kaninchen führt innerhalb weniger Tage zur Flucht. Ansonsten richten sie sich nach dem Verhalten der anderen Weidetiere - grasen diese ruhig, grasen auch die Meerschweinchen, sobald auch nur ein Weidetier aufschreckt oder die anderen Weidetiere das Grasen einstellen, flüchten alle in Sichtweite befindlichen Meerschweinchen. Während Tschudi-Meerschweinchen recht eng beieinander bleiben und es vermeiden, einzeln zu grasen, verteilen sich Hausmeerschweinchen großräumig. Auch kommt es vor, daß einige Meerschweinchen grasen, andere schlafen und die nächsten Körperpflege betreiben - bei den Tschudi-Meerschweinchen macht die Gruppe alles gemeinsam, also entweder fressen, oder Körperpflege oder Dösen.

Tschudi-Meerschweinchen bilden grundsätzlich auf ihren Wanderungen zu den Weidegründen Karawanen. Oberhalb des Afters befindet sich ein verdickter Bereich mit vielen Talgdrüsen, die Kaudaldrüse. Man vermutet, daß diese Drüse neben einer öligen Flüssigkeit, die dort die Haare verklebt und dunkler färbt, gleichzeitig Pheromone ausstößt. Wahrscheinlich sind sie unter anderem dazu da, die Karawanenbildung zu fördern, aber auch individuelle Erkennung der Tiere untereinander wird mit dieser Drüse in Zusammenhang gebracht. Hausmeerschweinchen zeigen diese Karawanenbildung nicht mehr so ausgeprägt und hauptsächlich in unbekanntem Terrain.

Hausmeerschweinchen legen nur kurze Strecken bis zu ihren Futterwiesen zurück, auch wenn sie beliebig viel Platz zur Verfügung haben.

Den Kontakt halten Meerschweinchen mit leisen Peillauten, die so ähnlich wie "tuc, tuc, tuc" klingen. Fast jeder Ortswechsel wird durch solche Laute eingeleitet. Bei Erregung werden diese Kontaktlaute lauter. Dieses führt meist zum Sammeln der Gruppe. Wird ein Meerschweinchen von der Gruppe getrennt oder verläuft sich, ruft es mit lautem Quieken nach der Gruppe, die Gruppe antwortet mit lautem Quiecken so lange, bis das verloren gegangene Meerschweinchen wieder zurückgefunden hat oder nicht mehr antwortet. Dieses Quieken wird auch gegenüber dem Halter eingesetzt, um nach Futter zu betteln oder den Halter zu begrüßen. Warnpfiffe klingen sehr ähnlich, bei einigen Hausmeerschweinchengruppen wird zwischen Flugalarm und Bodenalarm unterschieden.

Sozialverhalten

Veränderungen gegenüber der Wildform Die größten Veränderungen im Verhalten im Laufe der Domestikation kann bei Hausmeerschweinchen im Sozialverhalten der Männchen beobachtet werden. Tschudi-Meerschweinchen leben in Haremsgruppen, bestehend aus einem Männchen und mehreren Weibchen. Die Männchen untereinander sind unter den eingeschränkten Platzverhältnissen in Gefangenschaft absolut unverträglich, es ist nicht möglich, mehrere Männchen zusammenzuhalten, da das stärkere Männchen die schwächeren Männchen töten würde. Nur bei dem entsprechend großen Platzangebot in freier Wildbahn bilden sich großräumige Beziehungsgeflechte auch unter den Männchen aus, ohne daß sie sich gleich umbringen, sobald sie sich sehen.

Liebhaberhaltung: Hausmeerschweinchen sollten in Gruppen mit einem Kastraten und mehreren Weibchen gehalten, werden. Die Gruppengröße ist vom Platzangebot abhängig.  

Züchter halten die Tiere meist in kleinen zielgerichteten Gruppen bestehend aus einem Bock und 2-3 Weiblichen Tieren

Reine Männchengruppen sind bei Hausmeerschweinchen durchaus möglich.

Damit ein möglichst streßfreies Zusammenleben von Meerschweinchenböcken möglich wird, ist nicht nur die Aggressionsbereitschaft gesunken, sondern das Imponier- und Drohverhalten ist ausdrucksvoller und wird häufiger gezeigt.

Als Imponiergehabe zeigen Männchen oft einen sehr gestelzt wirkenden Gang, wobei die betont von einem Hinterfuß auf den anderen treten und dabei Hinterteil in die Richtung strecken, wo der Hinterfuß aufgesetzt wurde. auch der Hintern extrem weit nach Links gekippt. Die Beine sind bei diesem Wiegeschritt extrem durchgedrückt, die Bewegungen langsam. Die Kehle wird soweit wie möglich zum Boden hin herausgedrückt, die Nase möglichst weit und leicht nach oben gestreckt. Zusätzlich wird der Kopf leicht zum Gegner hin gedreht, so daß dieser die volle Größe sieht. Begleitet wird dieser Wiegeschritt durch ein tiefes Knattern. Unter Meerschweinchenhaltern hat sich für dieses Verhalten das Wort brommseln eingebürgert.

Brommseln ist nicht nur bei den Männchen zu beobachten, sondern auch die Weibchen zeigen dieses Verhalten untereinander, allerdings nicht so ausgeprägt und nicht so häufig, wie Männchen untereinander. Hier ist es auch ein Ausdruck von Deckbereitschaft der Weibchen.

Drohen Mit einem leichten, schnellen Kopfheben in Richtung des Gegners und kaum merklichem Durchdrücken der Kehle Richtung Boden wird dem Gegner gedroht. Wird die Drohung nicht ernst genommen, folgt ein kurzes Zwicken in Richtung des Gegners. Besonders häufig ist dieses Drohverhalten bei Weibchen zu beobachten, die sich zunahe kommen, zum Beispiel beim Fressen.

Gegner, die von hinten kommen, werden mit gezielten Fußtritten der Hinterfüße auf Abstand gehalten. Dieses Drohverhalten kann bei Weibchen und Männchen gleichermaßen beobachtet werden. Weibchen spritzen dabei häufig gezielt weißlichen Urin in Richtung des Verfolgers.

Wird Drohen vom Gegner erwidert und kann durch Imponiergehabe keine Einigung erreicht werden, wird stärker gedroht. Aus dem Wiegeschritt heraus fangen die Kontrahenten an, mit den Zähnen zu klappern. Meist bleiben sie stehen und drehen die hoch erhobenen Köpfe zueinander. Dabei wird nach einer günstigen Gelegenheit geschaut, dem Gegner in die Seiten, den Rücken oder den Hintern zu zwicken, auch die Ohren sind willkommene Ziele für Zwickattacken. Meist richten die Kontrahenten sich kurz vor oder während des Zähneklapperns seitlich so zueinander aus, daß der Kopf in Höhe des Hinterns des Kontrahenten und der Hintern in Höhe des Kopfes des Kontrahenten ausgerichtet ist.

Zwick- und Beißattacken versucht der Kontrahent mit Beiseitespringen auszuweichen. Nach einer Zwickattacke klappern die Kontrahenten wieder mit den Zähnen und umkreisen sich langsam, bis die nächste Zwickattacke erfolgt.

Irgendwann dreht sich das unterlegene Tier um und rennt weg. Der Sieger verfolgt den Unterlegenen noch ein gutes Stück.

Drohen durch Zähneklappern kann hauptsächlich bei Männchen beobachtet werden, bei Weibchen ist es sehr selten.

Als Beschwichtigungsgeste wird entweder der Kopf leicht abgesenkt oder aber es ist keine körperliche Bewegung sichtbar. Das beschwichtigende Meerschweinchen gibt hohe, je nach Erregung leisere oder lautere Quietschlaute von sich.

Die gleichen Laute geben viele Meerschweinchen von sich, wenn sie am Rücken und Nacken gestreichelt werden. Manchmal zeigen sie dann auch ein Wegtreten der streichelnden Hand oder ein kurzes Hüpfen nur mit den Hinterbeinen. Entgegen der landläufigen Meinung ist das weder ein Zeichen für Wohlbefinden noch ein Zeichen für Kitzlig sein. In diesem Fall ist es eine Unmutsbekundung oder ein Zeichen daß das Tier seine Ruhe haben will oder "mal muß".

Dominanzbekundungen Anders wie beim Wildmeerschweinchen ist es für Hausmeerschweinchenböcke wichtig, eine klare Rangordnung herzustellen. Das ranghöhere Tier macht seinen höheren Rang mit Aufreiten wie beim Sexualakt klar. Das rangniedere Tier zeigt daraufhin Beschwichtigungsgesten oder versucht dem durch Flucht zu entkommen. Diese Art der Dominanzbekundungen kann auch bei den Weibchen beobachtet werden, allerdings nicht so häufig.

Eine weitere Dominanzgeste ist das Beschnüffeln und Belecken der Genitalgegend insbesondere bei den Böcken. Die Kaudaldrüse dagegen wird unabhängig vom Rang beschnüffelt, jedoch sind rangniedere Tiere dabei vorsichtiger und fluchtbereit, ranghöhere Tiere dagegen lassen sich nicht vom Beschnuppern der Kaudaldrüse abhalten.

Bei leichter Beunruhigung ist ein kurzes helles Knurren zu hören. Es wird in längeren Abständen wiederholt. Bei starker Beunruhigung wird dieses Knurren zu einem deutlich vernehmbaren Knattern.

Cirpen ist ein hoher Laut, der monoton wiederholt wird. Er wird oft mit Vogelzwitschern verglichen. Bei Tschudi-Meerschweinchen und Wildmeerschweinchen ist Cirpen häufig zu hören. Bei Hausmeerschweinchen nur selten. Einige Hausmeerschweinchen scheinen das Cirpen gar nicht zu können. Die Funktion des Cirpens ist bisher ungeklärt, wird aber oft entweder mit der Brunst oder mit Beunruhigung in Zusammenhang gebracht. Die anderen Tiere der Gruppe stehen dabei wie Versteinert um den "Sänger" herum um beim Verstummen blitzartig Deckung aufzusuchen.

Gruppenliegen Meerschweinchen liegen normalerweise berührungsfrei in Sichtweite. Ein Kontaktliegen, wie es von anderen gruppenlebenden Nagern oft beobachtet werden kann, gibt es nur bei den Jungtieren. Anhand der Aufteilung der liegenden Meerschweinchen im Raum kann oft auf Rangordnung und Freundschaft geschlossen werden. Befreundete Tiere liegen dichter zusammen, ranghöhere Tiere ergattern sich die besten Liegeplätze. Männchen, die in Haremsgruppen gehalten werden, liegen meist außerhalb von Häuschen und Deckung so, daß sie alle ihre Weibchen sehen können.

Nur bei sehr kaltem Wetter oder im gemeinsamen Versteck bei Gefahr sieht man Meerschweinchen auch mit Körperberührung liegen.

gegenseitige Körperpflege Normalerweise werden nur die Jungen in den ersten zwei Tagen von ihrer Mutter geputzt, andere gegenseitige Körperpflegemaßnahmen finden nicht statt. Es gibt jedoch einige wenige Ausnahmen. So kann bei trockenem Wetter selten beobachtet werden, daß ranghohe Weibchen, wenn sie beim Trinken naß wurden, zu ihrer besten Freundin gehen und diese das Fell trockenlecken lassen. Dazu wird der Kopf hochgestreckt und die nasse Stelle präsentiert. Eine weitere Ausnahme ist das gegenseitige Abschlecken, wenn Futter am Maul und Kopf hängengeblieben ist. Auch das sieht man nur bei sehr eng befreundeten Meerschweinchen und nur äußerst selten.

Auch wird beobachtet, daß kranke Tiere oft von Gruppenmitgliedern abgeschleckt werden, insbesondere an den Augen.

Markieren Die Wildform ist revierbildend, das eigene Revier wird mit einem Sekret aus speziellen Drüsen gekennzeichnet. Diese Drüsen sitzen in einer Tasche zwischen After und Scheide, der Perinealtasche. Diese ist gefüllt mit einem öligen Sekret aus zwei Drüsen, den Perinealdrüsen. Dieses Sekret wird im Revier an strategisch wichtigen Punkten verteilt. Die Hauptmarkierungsarbeit leistet das Männchen, deshalb ist bei ihm die Perinealtasche samt Drüsen besonders groß ausgebildet, die Weibchen haben nur eines sehr kleine Perinealtasche. Hausmeerschweinchen bilden keine Reviere mehr, markieren aber immer noch die Aufenthaltsräume und überprüfen auch die Duftnoten anderer Meerschweinchen.

Nutzung

Fleisch  

Bis heute werden in Peru und den Nachbarländern Meerschweinchen als Fleischlieferanten gehalten. Allein in Peru sollen pro Jahr rund 65 Millionen der Tiere verspeist werden. In den letzten Jahren wurden gezielt größere und fettere Rassen gezüchtet und in Intensivmast gehalten. Die sogenannten Cuys können bis zu 4 kg wiegen, sind aber scheuer und schreckhafter als die in Europa und USA gehaltenen Hausmeerschweinchen. Meerschweinchenfleisch gehört zum traditionellen peruanischen Hochzeitsmahl und hat seine Bedeutung in den überlieferten Heilungsritualen.

Bei der Landbevölkerung kommt immer noch sehr selten Fleisch auf den Tisch, meist ist es Meerschweinchenfleisch, aber auch Lamas und Alpakas werden gegessen. Die Meerschweinchen gelten bei der Landbevölkerung als gute Einnahmequelle.

Anders ist die Situation in den Städten in den Anden. In vielen Städten werden Meerschweinchen auf viele unterschiedliche Weisen zubereitet als Delikatesse am Straßenrand belebter Straßen angeboten. Meerschweinchen am Spieß gilt hier als Delikatesse für die ärmere Bevölkerung. Auch als Schlachtkörper werden Meerschweinchen oft am Straßenrand und Märkten angeboten, wobei meist der Kopf drangelassen wird. Zerlegt werden Meerschweinchenteile nur selten verkauft.

In den USA ist es insbesondere die lateinamerikanische Bevölkerungsschicht, die Meerschweinchenfleisch konsumiert. Das Fleisch wird nach USA importiert, für die Fleischproduktion gezüchtet werden die Meerschweinchen dort seltener.

In Europa wurde das Meerschweinchen bis zum zweiten Weltkrieg durchaus auch zu kulinarischen Zwecken gehalten und gezüchtet, es konnte sich jedoch nie gegenüber den traditionellen Schlachttieren durchsetzen. Inzwischen ist der Konsum von Meerschweinchen innerhalb von Europa bedeutungslos, in einigen Ländern sogar gänzlich verpönt.

Opfertiere Noch heute werden Meerschweinchen zu besonderen Anlässen geopfert. So gibt es z. B. Opferungen als Bitte um reichhaltige Ernte, Opferungen, um kranke Menschen zu heilen oder aber Opferungen zu bestimmten Festtagen.

Labortiere Noch immer werden Meerschweinchen als einfach zu haltende Labortiere gezüchtet. Als Versuchstiere werden sie zu sehr unterschiedlichen Forschungen eingesetzt. In Deutschland finden nur wenige Versuche mit Meerschweinchen statt, besonders viele fanden 1998 mit 22 Versuchen statt, sonst sind es höchstens 9 Versuche im Jahr, in einigen Jahren wird kein einziger Versuch gemeldet.

Futtertiere Meerschweinchen eignen sich nicht so gut als Futtertiere, da sie vergleichsweise viel fressen und gleichzeitig nicht so fruchtbar sind wie andere Nager oder Kaninchen. Damit ist das Futtertier Meerschweinchen für seine Größe relativ teuer. Dazu kommt, daß viele Reptilienhalter kein Meerschweinchen verfüttern wollen, da sie diese niedlich finden und deshalb persönliche Bedenken haben, solche Futtertiere einzusetzen.

In Zoos und Tierparks werden oft Meerschweinchen in großen Gruppen vermehrt und die ausgewachsenen Tiere an verschiedene größere Raubtiere und Greifvögel verfüttert.

Im Privatbereich werden Meerschweinchen fast ausschließlich als ausgewachsene Tiere an Großschlangen und Krokodilartige verfüttert, für die meisten anderen Reptilien sind ausgewachsene Meerschweinchen zu groß und Nager in der Größe von Meerschweinchenjungen gibt es billigere und produktivere Alternativen.

Liebhabertiere

Seit Anfang des 20. Jhr werden Meerschweinchen zunehmend auch zum Zeitvertreib gehalten und gezüchtet. Meerschweinchen galten schnell als gut für Kinder geeignet, da sie als sehr robust galten und nicht so schnell zubeißen, wie z. B. Kaninchen. Normal war und ist die Einzelhaltung in engen Käfigen. Mit der Verbreitung der Meerschweinchen über Zooläden seit den 1960er Jahren wurden zunehmend auch einzelne Meerschweinchen mit einzelnen Kaninchen kombiniert.

Heutzutage hat man die Erkenntnis gewonnen daß Kaninchen und andere Nager keine geeigneten Sozialpartner für die geselligen Meerschweinchen darstellen können. Schon allein die unterschiedlichen Futteransprüche und Lautäußerungen unterscheiden es im Verhalten von den Kaninchen und machen eine Vergesellschaftung mit ihnen unsinnig.

Seitdem Tiere in Deutschland nicht mehr als Sache gelten und damit dem Tierschutzgesetz mehr Gewicht verliehen wurde, ist eine Einzelhaltung oder Haltung eines Meerschweinchens mit einem Kaninchen nicht mehr zeitgemäß, da in mehreren Versuchen gezeigt werden konnte, daß Meerschweinchen in Einzelhaltung Verhaltensstörungen entwickeln, weniger aktiv sind und verfetten. Es gibt jedoch leider noch keine Verordnung, die eine Gruppenhaltung von Meerschweinchen vorschreibt.

In der Schweiz und in Österreich dagegen ist die Gruppenhaltung von Meerschweinchen inzwischen gesetzlich festgelegt und es liegen auch gesetzliche Mindestanforderungen zur Käfiggröße vor, die bei weitem die bisher übliche Käfiggrößen überschreiten. 

Die dauerhafte Einzelhaltung ist nicht artgerecht im Sinne des Tierschutzgesetzes. Hausmeerschweinchen sind Rudeltiere und brauchen mind. einen artgleichen Partner. Alleine gehalten entwickeln sie Verhaltensstörungen. Menschen können keinen artgleichen Partner ersetzen, genausowenig wie Kaninchen. Die von vielen Zoofachgeschäften empfohlene Haltung von einem Kaninchen und einem Meerschweinchen verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Gruppenhaltung Meerschweinchen können in Gruppen ab zwei Tieren gehalten werden. Möglich sind gleichgeschlechtliche Gruppen sowie auch Gruppen mit einem kastrierten Böckchen und einem oder mehreren Weibchen. Bei der Haltung reiner Böckchengruppen sollte auf eine gerade Anzahl der Böckchen geachtet werden, da ungerade Anzahlen oft zu wilden Beißereien führen. Jedoch ist dann auch bei gerader Anzahl nicht garantiert, dass es keine Beißereien zwischen den Böckchen gibt. Auch reine Weibchengruppen sind oft harmonischer, wenn sie eine gerade Anzahl aufweisen. Wenn Böckchen einmal Kontakt mit Weibchen hatten oder den Duft von weiblichen Meerschweinchen riechen, lassen sie sich oft nur noch schwierig mit anderen Böcken vergesellschaften und fügen sich dann gegenseitig zum Teil sehr starke Verletzungen zu. Hilfreich hierbei sind platzmäßig großzügige Unterbringungen und zahlreiche Unterschlupfmöglichkeiten.

Werden Böcke ab 250g Gewicht und vor der Ausbildung der vollen Geschlechtsreife kastriert, werden sie von Altböcken nicht als Rivalen erkannt und können nun in Gruppen mit Weibchen und einem Bock oder mit einem Zuchtbock vergesellschaftet werden. Dies hat aber oft den Nachteil daß diese Frühkastraten meist unterlegen sind und im Falle einer neuen Gruppenkonstellation nicht den Rang des Rudelkastraten einnehmen können.

Aufgrund der Unverträglichkeit der Zuchtböcke gegenüber Geschlechtsgenossen wirft die Haltung von einem oder mehreren Zuchtböcken ganz eigene Probleme auf. Züchter haben unterschiedliche Systeme entwickelt, um ihren Zuchtböcken trotzdem ein Leben mit Artgenossen zu ermöglichen. Es können hier nur wenige Beispiele gegeben werden:

  • Rotationssystem: Ein Bock wird für einen längeren Zeitraum zu einem Weibchen oder eine Zuchtgruppe aus weiblichen Tieren gesetzt. Bevor die Zuchtweibchen gebären, wird der Bock in die nächste Zuchtgruppe oder zum nächsten Zuchtweibchen gesetzt.
  • Frühkastraten/Jungböcke: Es werden Frühkastraten oder Jungböcke in der Zeit, in der der Zuchtbock nicht im Deckeinsatz ist, zugesetzt.
  • alte Weibchen: Die unsicherste Methode dürfte es sein, Zuchtböcke zu alten Meerschweinchenweibchen zu setzen. Normalerweise sollten die alten Weibchen nicht mehr aufnehmen - manchmal aber tun sie es doch. Die Geburt ist für solch alte Meerschweinchenweibchen lebensgefährlich.

Unterkunft Die in Zoofachhandeln üblichen, käuflichen Standard-Käfige sind oft zu klein, um mehr als ein Meerschweinchen darin zu halten. Liebhaber empfehlen im Allgemeinen pro Meerschweinchen eine Grundfläche von 0,50 m² pro Tier, was durchaus ausreicht, wenn die Tiere viel Auslauf bekommen. Sollten die Tiere nur im Gehege wohnen, oder bekommen sie nur selten Auslauf, ist eine Gehegegröße von 1 m ² pro Tier wohl angemessen. Besser geeignet sind jedoch geräumige Eigenbauten, die eine größere Fläche und zum Beispiel durch etwa 30cm hohe Plexiglasscheiben einen besseren Ein- und Ausblick sowie einen näheren Kontakt zu den Tieren ermöglichen. Für zwei Tiere sollte der Käfig mindestens eine Länge von 120 cm haben, für drei sind 140 cm empfehlenswert. Generell gilt natürlich: je größer, desto besser. Allerdings sollte der Käfig nie auf dem Boden stehen, da sich Meerschweinchen oft durch das Getrappel der Füße gestört fühlen und dann Angst bekommen. Am Besten stellt man den Käfig etwas erhöht auf Kommoden, kleine Schränke etc..

Der Boden des Käfigs sollte mit einer nicht staubenden Einstreu bedeckt sein, zum Beispiel Holzstreu, Holz- beziehungsweise Strohpellets oder Hanfstreu. Darauf kann eine Schicht Stroh gegeben werden, die die Tiere gern zum Verstecken und Spielen nutzen. Heu sollte nicht, wie oft vorgeschlagen, auf dem Boden verteilt werden, da Meerschweinchen dies auch nachdem sie darauf uriniert haben fressen würden, was zu Krankheiten führen könnte. Ebenfalls kann man aber über das normale Streu auch noch sog. Überstreu geben, das dann z.B.Waldboden oder Heidelandschaften imitiert.

Zur weiteren Einrichtung des Käfigs gehören Futternäpfe, ein Häuschen mit zwei Ausgängen (Fluchtwege), möglichst ohne Fenster (Gefahr des Steckenbleibens), eine Heuraufe und eine Trinkflasche oder eine Wasserschüssel (Wasser muss immer zur Verfügung stehen). Der Vorteil der Wasserschüssel ist die natürlichere Trinkhaltung der Tiere und die bessere Wasserqualität (in der Trinkflasche - besonders im nicht einsehbaren Trinkrohr - können sich Algen oder Bakterien ausbilden). Der Nachteil ist das mögliche Umkippen der Schüssel (die Schüssel sollte auf das mögliche Aufstützen eines Meerschweinchens ohne zu kippen ausgelegt sein - wie auch der Futternapf). Alternativ kann man auch einfach ein (unbehandeltes!) Holzbrett durch die Gitterstäbe der schmalen Käfigseite stecken. Dadurch erhält man auch gleich noch eine erhöhte Aussichtsplattform, auf der sich zuätzlich Futter gut anbieten lässt, welches dort auch nicht so schnell verschmutzt werden kann.

Weitere mögliche Einrichtungsgegenstände sind der Foodball (ein Gitterball zum Aufhängen, kann mit Heu oder Gemüse befüllt werden), Steine, Korkröhren, Stofftunnel, Kuschelrollen, Schlafsäcke, Iglus und Hängematten. Diese können ganz einfach aus einem kleinen, mit Wäscheklammern oder Häkchen am Käfig befestigten Gästehandtuch selbst gemacht werden.

Auslauf

Meerschweinchen dürfen nie nur im Käfig gehalten werden, sondern brauchen täglich mindestens ein bis zwei Stunden Auslauf. Dabei sollten Kabel, Chemikalien und Giftpflanzen sicher abgegrenzt werden, um ein Anknabbern zu vermeiden. Nur selten werden die Tiere stubenrein. Man kann versuchen, ihnen einen überdachten Platz (z. B. Pappkarton), der mit einem Handtuch ausgelegt wird, als „Toilette“ anzubieten. Auch Wachstischdecken sowie billige Webteppiche eignen sich als Unterlage für einen Zimmerauslauf. Als Material für die Zäune können beispielsweise Holzpalisaden oder Komponenten von "Magic Cubes" (Gitterschränke) benutzt werden.

Außenhaltung:Ist ein wetter- und Raubtier-sicherer, fester Unterschlupf vorhanden, können Meerschweinchen auch ganzjährig draußen gehalten werden. Eine gut isolierte, zugfreie und trockene Rückzugsmöglichkeit sollte ständig zur Verfügung stehen. Diese Unterkunft muss den Mindestmaßen für Käfige entsprechen, da sie an kalten und regnerischen Tagen als ständige Behausung dienen muss. Die Tiere müssen bereits im Sommer an die Freihaltung gewöhnt werden, ein Wechsel vom kalten Außenstall in die warme Wohnung und andersherum ist unbedingt zu vermeiden. Vorsicht ist geboten, wenn Hunde und Katzen in der Nähe sind – wenn die Meerschweinchen Auslauf haben, ohne durch Gitter geschützt zu werden, können sie leicht von diesen „geraubt“ werden. Im Winter ist die Schutzecke außerdem gut mit Stroh und Heu auszustatten. Dort können sich die Meerschweinchen wie unter einen warmen Decke verkriechen. Am besten eignet sich ein stabiles Haus mit einer dicken Strohschicht am Boden in das sich die Tiere bei schlechtem Wetter zusammenkuscheln und aufwärmen können.

Kastration In den meisten Fällen ist es so, dass nur männliche Tiere kastriert werden. Zum einen ist bei Weibchen dieser Eingriff sehr riskant und auch teuer, da er viel größer ist als bei Böcken. Zum anderen ist es auch sinnvoller den Bock zu kastrieren, da man in den meisten Fällen mehrere Weibchen mit einem Bock zusammen hält und nicht umgekehrt.

Böcke kann man schon jung kastrieren, aber auch bei älteren Tieren, bis etwa vier Jahre, ist das noch möglich. Es hängt jedoch vom Gewicht und Gesundheitszustand des Bocks ab und sollte mit dem Tierarzt besprochen werden.

Unter Frühkastration versteht man, dass schon kleine Böckchen, die noch nicht geschlechtsreif sind, kastriert werden. Der Vorteil davon ist, dass sie meist (aber nicht immer) weniger dominant werden. Ab welchem Alter der Eingriff vorgenommen wird, ist von einem Tierarzt zum anderen verschieden. Die einen kastrieren Böcke schon mit etwa 4–5 Wochen und einem Gewicht ab 300 Gramm, meist wird jedoch etwa bis zur 5. Woche gewartet, denn dann kommen die Hoden herunter und der Eingriff ist weniger riskant.

Ernährung  

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser die kein tierisches Eiweiß benötigen. Frisches sauberes, staubfreies Heu ist die Basis ihrer  Ernährung. Zusätzlich brauchen sie täglich Frischfutter.

Futterpflanzen des Meerschweinchens sind:

  • Gars Heu Löwenzahn Gänseblümchen Schafgabe, Ringelblume, echteKamille Giersch, Wegerich, Sonnenblume, Topinambur, Blätter von Mais, Erdbeere, Himbeere
  • Gemüse wie Karotten, Gurken, rote Beete, Sellerie mit Grün, Fenchel Spinat
  • Zweige von Weide und Obstbaumen Tannenzweig (Vorsicht ! Weihnachtsbäume oftmals gespritzt) zum Abnutzen der Zähne
  • Meerschweinchen benötigen sehr viel Vitamin C !!!
  • Ist enthalten in Petersilie Paprika Tomaten geschälte Orangen, Mandarinen
  •  (besser als Kopfsalat sind Endivien- und Romanesco), Klee(sehr geringe Mengen, hoher Eiweiß u. Kalziumanteil, kann zu Durchfall, Blähungen und Nieren- und Blasensteinen führen),Obst wie Äpfel (ohne Kerngehäuse, die Kerne enthalten Blausäure) Beeren, Weintrauben, Bananen (wenige, da stark zucker- und stärkehaltig),

An Frischfutter, insbesondere Gras im Frühling, bzw. neue Futtersorten sollten die Tiere nur langsam und schrittweise gewöhnt werden, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.

Zu achten ist auf einen ausreichenden Vitamin C-Gehalt der Nahrung. Meerschweinchen entwickeln bei Vitamin-C-Mangelunterschiedliche Krankheiten. Vitamin C stärkt die Abwehrkräfte. Es ist in Grünfutter enthalten, besonders in Zitrusfrüchten, Paprika, Löwenzahn und Petersilie. Je nach Alter benötigt ein Meerschweinchen 5- 20 mg Vitamin C pro Tag. Vitamin C sollte man nur im Ausnahmefall in das Futter oder Wasser geben, da es schnell verfällt und der Verbrauch nicht kontrolliert werden kann. Genauso müssen die Zähne durch ständiges Nagen, am besten von Heu und ungespritzten Zweigen, abgeschliffen werden. Stellt ein Meerschweinchen das Fressen ein, kann sich außerdem durch die nachwachsenden Backenzähne eine Zahnbrücke über der Zunge oder Zahnspitzen bilden, die die Nahrungsaufnahme erschwert oder unmöglich macht und zum Tod des Tieres führen kann. Daher ist bei Nahrungsverweigerung schon nach ein bis spätestens zwei Tagen ein Tierarzt aufzusuchen. Eine weitere Besonderheit ist das lebenswichtige Fressen des so genannten Blinddarmkotes. Diese relativ weichen Kotballen werden ausgeschieden und gleich wieder aufgenommen, weil sie wichtige Bakterien enthalten, welche der Aufrechterhaltung der Darmflora dienen. Daneben deckt der Blinddarmkot den gesamten Vitamin-B-Bedarf und Großteile des Vitamin-K-Bedarfs der Tiere ab. Da Hausmeerschweinchen eine hohe Resorptionsrate für Kalzium haben, führt die Verfütterung kalziumreicher Futtermittel (Broccoli, Kohlrabiblätter, Luzerne Petersilie) aufgrund der Ausscheidung über die Niere und des basischen Harns schnell zur Bildung von Harnsteinen.

Kein geeignetes Futter für Meerschweinchen:

  • sämtliche Kohlarten und nasses Frischfutter kann lebensbedrohliche Blähungen oder / und Durchfall hervorrufen, besonders, wenn er ungewohnt ist.
  • Brot- gerne wird hartes Brot gefüttert, damit sich die Zähne abnutzen. Da Brot sehr schnell durch den Speichel der Tiere aufgeweicht wird, ist dieser Effekt nur gering. Hingegen ist Brot ein typischer Dickmacher. Die Zähne nützen sich bei Astrinden und trockenem Heu viel effektiver ab.
  • Der Effekt der Zahnabnützung tritt bei der Verfütterung von Heupellets ebenfalls nicht auf, da sie bereits stark zerkleinerte Heuanteile enthalten. Bei Hausmeerschweinchen treten recht häufig Kieferprobleme auf, die das Fressen für sie schmerzhaft bis unmöglich machen - sie kauen dann langsam und gebremst, manchmal spucken sie infolgedessen die Nahrung wieder aus. Diese Probleme verschwinden teilweise wieder, können aber auch dazu führen, daß das Meerschweinchen verhungert.
  • Weiterhin sind stark kohlehydratreiche Futtermittel wie Körnermischungen, Knabberstangen, Brot, Zucker-, Milch- und honighaltige Leckereien als Nahrung gänzlich ungeeignet. Stark zuckerhaltige Kost wird im Darm der Tiere bakteriell zu kurzkettigen Fettsäuren abgebaut und stört somit die auf Fermentierung von Pflanzenfasern basierende Verdauung durch eine Veränderung des Ph-Wertes Daneben verringert der infolge des hohen Energiegehaltes dieser Futtermittel eintretende schnelle Sättigungseffekt die Motivation der Tiere zu kauen, was sich in übermäßigem Zahnwachstum niederschlagen kann. Das zu hohe Energieangebot kann ferner Leberschäden sowie ein Verfetten der Tiere bewirken. Da Meerschweinchen einen sog. Stopfdarm haben, der nur eine dünne Muskelschicht und somit kaum eine Eigenbewegung wie der menschliche Darm aufweist, müssen sie dauerhaft fressen, damit der Nahrungsbrei im Darm weiter transportiert wird. Ansonst kann es zum Erliegen der Funktion des Magen-Darm Traktes und somit schlussendlich zum Tod des Tieres führen.
  • giftig: Avocado,sämtliche Zwiebekgewächse (auch Porree und Scnittlauch Eibe, rohe Kartoffel u. Thuja

Die häufigsten Erkrankungen von Meerschweinchen hängen mit der Nahrungsverwertung zusammen. Meerschweinchen haben ein relativ komplexes Verdauungssystem mit recht langer Verweildauer der Nahrung im Darm. Da sie keine Wiederkäuer sind, aber in freier Wildbahn hauptsächlich auf das relativ nährstoffarme Gras angewiesen sind, haben sie im Darm eine empfindliche Bakterienflora, die schon bei Nahrungsumstellungen Probleme machen kann. Das Darmklima ist basisch, und da stark zucker- und stärkehaltige Produkte zu einem sauren Darmklima führen können, sind solche Nahrungsmittel für Meerschweinchen schädlich.

Meerschweinchen haben einen Stopfmagen und kaum Darmperistaltik und nur wenn faserreiches Futter mit langer Faser aufgenommen wird, wird der Nahrungsbrei im Verdauungstrakt weitergeschoben. Diese anatomische Eigenschaft führt dazu, dass sich das Krankheitsbild eines Meerschweinchens, das nicht frisst, mitunter sehr schnell drastisch verschlimmert.
Blähungen können innerhalb von Stunden zum Tode führen.
  • Oft und zum Teil in Verbindung mit der Verdauung treten auch Zahnfehlstellungen auf, so dass die Zähne (Schneidezähne und Backenzähne) regelmäßig gekürzt werden müssen, da das Tier schlimmstenfalls nicht mehr fressen kann (Brückenbildung). (Die Zähne wachsen bei Nagern permanent nach und werden normaler Weise durch die Abnutzung auf Länge gehalten.
Probleme mit der Nahrung können beim Meerschweinchen schnell lebensbedrohlich werden, weil sie innerhalb weniger Tage schnell an Gewicht verlieren. Weiter ist ihr Körper nicht in der Lage Vitamin C selbst zu produzieren. Nimmt der Körpern nicht genügend Vitamin C auf kann es zu einer Mangelerscheinung (Hypovitaminose) kommen.
  • Ähnlich verbreitet sind Krallenfehlstellungen, zum Teil verursacht durch unnatürlich weniges Abwetzen im Käfig. Ungeschnittene, eingerollte Krallen können zu Ballenabszessen führen.
  • Erkältungen können zur Lungenentzündung führen. Anzeichen von Erkältung sind Niesen, Augen- und Nasenausfluss, Fressunlust begleitet durch Gewichtsabnahme. Akute Zeichen sind Probleme mit dem Gehen (Lähmungserscheinung) oder flache Atmung. Eine Lungenentzündung verläuft ohne Behandlung oft tödlich.
  • Lähmungserscheinungen haben viele Ursachen, unter anderem M;eerschweinchenlähmeVitaminmangel, Blähungen, Erkältung, Osteodystrophie oder Verletzungen.
  • Bei Meerschweinchen häufige Parasiten sind Hautpilze, Haarlinge und Grabmilben.
  • Augenentzündungen und Hornhautverletzungen kommen bei Meerschweinchen häufiger vor, heilen jedoch schneller als bei anderen Tierarten.

Vor allem bei Satin-Meerschweinchen tritt seit längerer Zeit Osteodystophie auf. Bei Osteodystrophie handelt es sich um eine Krankheit, bei der Knochensubstanz ab- und an anderen Stellen (v.a. am Becken und Kiefer) wieder angelagert wird. Osteodystrophie ist nicht heilbar. Auch die Gabe von Calzium ändert am Krankheitsbild nichts. Nicht jedes Satin-Meerschweinchen erkrankt automatisch an Osteodystrophie, jedoch können schon einjährige Tiere davon betroffen sein. Symptome der Krankheit sind unter anderem: "Hoppeln", starker Speichelfluss, und Apathie. Osteodystrophie wird mit Röntgenaufnahmen des Beckens und des Schädels von oben und der Seite diagnostiziert. An diesen Stellen sind die Veränderungen am Knochen am besten sichtbar. 

Zucht

Von der einfachen Vermehrung von Meerschweinchen zur Zucht ist es ein grosser Schritt. Vermehrung bedeutet einfach zwei Tiere zusammen zu setzen, ohne genau zu wissen was raus kommt.

Ein seriöser Züchter hat sich zum Ziel gesetzt gesunde, rassetypische Tiere zu züchten und weiss meist zuvor schon genau, was bei einer Verpaarung heraus kommt. Er führt Zuchtbücher in denen Verpaarungen und deren Ergebnisse genauestens vermerkt werden. Auch werden heute in der Regel bei uns in Deutschland Abstammungsnachweise für jedes Tier erstellt. Gerade in der Schimmelzucht ist es extrem wichtig, einen Abstammungsnachweis zu führen, da diese Tiere keinesfalls miteinander verpaart werden dürfen.

Durch den Stammbaum erfahren Züchter mehrere Generationen der Vorfahren ihrer Tiere. Wer diese nicht kennt, nimmt Testverpaarungen vor, um Aufschluss über die genetischen Eigenschaften des Tieres zu erhalten. Ein Züchter steckt sich ein genau definiertes Zuchtziel. Er verpaart gezielt nur Tiere mit einer speziellen Haarstruktur und eines Farbtypus. Falls von einer Verdünnungsfarbe zuwenige Tiere vorhanden sind, greift er auf Vollfarbentiere zurück und erhält erst in der übernächsten Generation wieder die gewünschte Farbe. Daher und zur Vermeidung von zu starker Inzucht muss ein Züchter zwangsläufig mehrere dutzend Tiere artgerecht unterbringen können und so eine Linie aufbauen.

Linienzucht ist ein weiteres Gebiet mit dem sich ein Züchter zwangsläufig beschäftigen muss. Um eine Farbe oder ein Merkmal zu verstärken oder aber einen Gendefekt in der Linie aufzudecken, muss man oft auf Tiere der Linie, also der Verwandtschaft, zurückgreifen können. Allerdings muss eine solche Rückverpaarung gut geplant werden und man sollte darauf achten, dass man ab und zu wieder frisches Blut in die Linie bringt, um den Genpool zu erweiten, denn ansonsten kann das Immunsystem zu einseitig und die Tiere krankheitsanfällig werden.

Wer züchten möchte, sollte sich vorher ein paar grundlegende Kenntnisse zur Genetik, den Rassen und der Linienzucht zulegen. Außerdem sollte man sich vorher überlegen, wie das Böckchen in den Zuchtpausen der Weibchen untergebracht sein soll und wohin die Jungtiere gehen sollen. Am besten sucht man sich einen erfahrenen Züchter, der einen berät. Zucht bedeutet einen sehr grossen Aufwand, sowohl zeitlich als auch finanziell. Daher wäre es eine Illusion zu glauben mit einer Zucht einfach Geld verdienen zu können.

Fortpflanzung da sich Meerschweinchen sehr früh vermehren, sollte man, wenn man keine Junge haben will, Männchen und Weibchen getrennt halten oder sterilisieren/kastrieren.

Die Geschlechtsreife bei Meerschweinchen unterliegt großen Schwankungen. Bei Weibchen gibt es die so genannte Frühreife schon ab 3 bis 4 Wochen. Um gesundheitliche Störungen auszuschließen, sollte ein Weibchen keinesfalls vor Erreichen des 4. Lebensmonats und einem Gewicht von 700 g gedeckt werden. Bei Böcken liegt die Geschlechtsreife bei etwa 4-6 Wochen nach der Geburt bzw. ca. 300 g Gewicht. Es gibt allerdings auch Frühentwickler, die schon mit 2 Wochen, bzw. 250 g decken konnten.

Die Tragzeit ist im Vergleich zu verwandten Familien mit 65 bis 72 Tagen relativ kurz. Die Jungtiere werden gut entwickelt, mit Fell, Zähnen und offenen Augen geboren und gehören zu den Nestflüchtern.

Das Weibchen sollte bei der ersten Deckung nicht älter als 9 bis 10 Monate sein. Es sollte mindestens 700 g, aber nicht mehr als 1100 g wiegen und muss gesund sein. Das Böckchen sollte mindestens 4 Monate alt und natürlich ebenfalls gesund sein.

Das Weibchen ist alle 14-18 Tage für ca.6 Stunden brünstig. Wenn der Deckakt mit dem Männchen erfolgreich war, putzen sich beide Tiere ausgiebig. Nachdem die Jungen sich in durchschnittlich 68 Tagen vollentwickelt haben (Tragdauer kann zwischen 68 und 72 Tage schwanken), bringt sie das Muttertier innerhalb einer viertel Stunde zur Welt, allerdings kann die Geburt auch mehrere Stunden dauern. So passiert es nicht selten, dass auch nach 3-4 Stunden noch Jungtiere geboren werden. Die Jungen sind Nestflüchter, wiegen zwischen 60-120 g, haben bereits ein Fell (bei langhaarigen Rassen ist es noch kurz), offene Augen, können laufen und knabbern bereits wenige Stunden nach der Geburt am Heu, an Obst und Gemüse. Wiegen die Jungtiere bei der Geburt unter 50g sollten sie einem Tierarzt vorgestellt werden. Stirbt die Mutter bei der Geburt, brauchen die Kleinen dennoch Milch zum überleben. Man kann sie einer anderen Mutter geben - meist säugt sie die fremden Jungen mit. Sonst muss man die Jungen alle 2 Stunden mit Katzenaufzuchtmilch oder aber Babyheilnahrung (HN-Heilnahrung)  und einer Spritze (ohne Nadel) füttern.

Direkt nach der Geburt der Jungen ist die Meerschweinchendame wieder empfangsbereit, weshalb unkastrierte Männchen dann nicht im Käfig sein sollten, um ein sofortiges Nachdecken zu vermeiden. Ein Weibchen kann 1 bis 7 Junge werfen, wobei es in der Regel zwischen 2 und 4 Junge sind. Der erste Wurf ist nicht unbedingt kleiner als die nachfolgenden. Die Jungen werden dann 3-4 Wochen von der Mutter gesäugt, bis sie mit 4-5 Wochen (und einem Mindestgewicht von 300g) abgegeben werden können. Allerdings sollte man auch beachten, dass die Jungtiere nicht mehr bei der Mutter saugen, um späteren Verhaltensstörungen entgegenzuwirken.

Rassen

An Fellvarietäten sind bisher kurzhaarige, langhaarige und Tiere mit gekräuseltem Haar aufgetreten. Zusätzlich existieren noch Tiere mit Wirbeln am Körper oder einem speziellen Kopfwirbel. Auch diese Fellvarietäten werden gezielt gezüchtet und im Rassestandard beschrieben.

Das harsche und halblange Haar der Tschudi-Meerschweinchen ist nur noch bei wenigen Hausmeerschweinchen zu finden, hauptsächlich in südamerikanischen alten Linien.

Das Tschudi-Meerschweinchen kann bei Gefahr ein Teil seiner Rückenhaare abwerfen, diese Fähigkeit ist im Laufe der Domestikation fast vollständig verloren gegangen.

Das Hausmeerschweinchen ist im Gegensatz zu den grau- bis rotbraunen eher kurzhaarigen Wildrassen in den verschiedensten Farben, Felllängen und -strukturen zu finden. Generell gibt es nahezu beliebige Kombinationen aus Farben, Felllänge und Wirbeln. Dazu kommt noch eine unterschiedliche Haarstruktur (drahtig bis samtweich, sowie lockig).

In den vergangenen Jahren sind durch gezielte Zucht viele Rassen entstanden, wobei man zwischen Fell- und Farbrassen unterscheidet. Fellrassen unterscheiden sich durch verschiedene Fellstrukturen und Haarlängen. Farbrassen werden anhand der Fellzeichnung unterschieden. Beide Rassen lassen sich kombinieren, was zu einer riesigen Rassenvielfalt führt. Beispiele: Schildpatt-Rex, Himalaya-Sheltie... Auch haben sich durch die Zucht im Laufe der Zeit das Aussehen der Meerschweinchen geändert.

Ein Rassemeerschweinchen entspricht nun eher dem geliebten "Kindchenschema" Der Kopf hat rundere Formen angenommen, die Ohren sind tiefer angesetzt und größer, die Augen sollen groß und glänzend sein. Auch der Körperbau hat sich verändert. Er ist insgesamt gedrungener, kürzer, die Schulterpartie kräftiger.

Kurzhaarrassen:

  • Das Glatthaar-Meerschweinchen hat kurzes, glattes Fell und ist sicher die häufigste Rasse.
  • Das Rosetten-Meerschweinchen zeigt überall am Körper Wirbel, die die kurzen Haare abstehen lassen. Der Rassestandard schreibt mind. 8 symmetrisch angeordnete Wirbel an bestimmten Körperstellen vor.
  • Das American oder English Crested besitzt kurzes, glattes Fell und eine Krone auf dem Kopf, wobei diese bei American Cresteds immer weiß ist.
  • Das Ridgeback ist ein Glatthaar-Meerschweinchen, bei dem die Rückenhaare gegen den Strich wachsen. Sie werden nach Selektion aus Rosetten- und Glatthaar-Meerschweinchen gezüchtet.
  • Das Rex ist eine Meerschweinchenrasse mit drahtigem, rauhem, aufrecht stehendem kurzen Fell. Eine sehr ähnliche Rasse ist das US-Teddymeerschweinchen.
  • Der US-Teddy ist eine Meerschweinchenrasse mit ähnlicher Fellstruktur wie der Rex, jedoch sind die Haare feiner gewellt. (Am besten unterscheidet man beide Rassen an der Bauchbehaarung.)
  • Der Ch-Teddy ist eine eigene Mutation mit ca. 6 cm langem, vom Körper abstehenden Fell. Eine Krone wird toleriert; Körperwirbel jedoch nicht.

(Der US-Teddy, der Ch-Teddy und der Rex sind genetisch nicht miteinander verwandt. Verpaart man sie untereinander, würde man Glatthaarmeerschweinchen erhalten.)

  • Das Curly ist ein Lunkarya mit kurzem Fell
  • Das Somali ist ein Rex mit Wirbeln, die an ein Rosettenmeerschweinchen erinnern

Langhaarrassen:

Das Angora ist ein langhaariges Rosettenmeerschweinchen. Die Rasse ist noch nicht offiziell anerkannt, jedoch auf dem Weg dazu.

  • Ein Peruaner ist ein Meerschweinchen mit langem, glatten Fell, was durch zwei Wirbel auf dem Po wie "nach vorn gekämmt" aussieht. Bei allen langhaarigen Rassen wird empfohlen, das Fell der Tiere auf Bodenlänge zu stutzen, um die Pflege zu erleichtern und ein Verschmutzen des Fells zu verhindern.
  • Das Sheltie ist ein Meerschweinchen mit langem, glatten Fell.
  • Das Coronet ist ein Meerschweinchen mit langem, glatten Fell wie bei einem Sheltie und einer Krone auf dem Kopf.
  • Das Alpaka ist ein Peruaner mit langem, lockigen Fell.
  • Der Texel ist ein Sheltie mit langem, lockigen Fell .
  • Das Merino ist ein Coronet mit langem, lockigen Fell.
  • Das Mohair ist ein Angora mit langem, lockigen Fell.
  • Das Sheba Mini Yak ist eine australische Rasse. Sie entstanden aus australischen Shelties und Rosetten-Meerschweinchen. Die Haare sind eher harsch und nur halblang.
  • Das Lunkarya stammt aus Schweden und hat harsche, abstehende lange Locken, die dominant vererbt werden (im Gegensatz zu den anderen Lockentieren, bei denen die Lockung rezessiv ist)

Farbrassen

In Europa und Nordamerika wird versucht, unterschiedliche Farben rein zu ziehen und möglichst intensiv zu züchten. Bedingung zur Aufnahme einer Farbe in die unterschiedlichen Rassebeschreibungen ist die gute Unterscheidbarkeit zu anderen, schon anerkannten Farben.

Farben Schon die Inkas kannten verschiedene Farbvarianten bei den Meerschweinchen. Mit der gezielten Herauszucht von Farben wurde jedoch erst im 20. Jahrhundert begonnen:

Vollfarben:

  • Schwarz
  • Rot
  • Weiß

Zu den Vollfarben gibt es viele Aufhellungstöne die bis zu weiß variieren können.

  • Einfarbig Diese Tiere zeigen nur eine Farbe (self). In der schwarzen Farbreihe kann sie von schwarz über sepia, schoko, slate blue und lilac bis zu Himalaya variieren. In der roten Farbreihe gibt es die Aufhellungen von rot über gold, safran, creme, beige, buff bis zu rein weiß (keine Albinos!).
  • Agouti Bei dieser Art, die der Urform sehr nahe kommt, ist jedes einzelne Haar zweifarbig, wobei das Haar am Ansatz und an der Spitze einen Schwarzton hat, während es in der Mitte eine Bänderung der roten Farbreihe aufweist. Sie ähnelt daher der verwandten Art der Meerschweinchen gleichen Namens (Agouti). Die Fellfarbe Agouti kann weiterhin in vielen Variationen auftreten, die Naturfarbe der Meerschweine nennt sich Goldagouti (schwarz-rot). Zusätzlich gibt es auch Solidagoutis, bei denen die schwarze Spitze fast vollständig verschwunden ist. Eine weitere Variante davon ist die Loh-Zeichnung (Rücken Schwarzton, Bauch Rotton Augen und Nase mit roter Umrandung). Häufige Agoutifärbungen sind beispielsweise lemonagouti, salmagouti, grauagouti und cinnamonagouti.
  • Mehrfarbig dazu zählen die schon erwähnten Agoutis. Außerdem gibt es Schildpatt-Tiere, die gleichmäßige schwarze und rote Farbfelder haben. Ein weiteres Gen kann bewirken, dass die Farben ineinander verlaufen. Das wird Brindle oder Magpie genannt.
  • Dalmatiner und schimmel bezeichnen vereinzelte weiße Haare im Fell des Tieres. Diese können auch bei weissen und weißgescheckten Tieren unsichtbar auftreten. Es ist wichtig, dass diese Tiere nicht untereinander verpaart werden, da das Gen an einen Letalfaktor gekoppelt ist.  Verpaarungen dieser Tiere ergeben Miß- u.Totgeburten und sind im Sinne des Tierschutzgesetzes verboten.

Alle Farbvarianten können in Aufhellungsfarben und in Kombination mit weissen Feldern auftreten

 Dies alles und noch mehr können sie in noch aufführlicherer Form hier nachlesen !

http://de.wikipedia.org/wiki/Hausmeerschweinchen

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